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Der 1960 in Wien geborene Felix Römer stammt aus einer Wirtshausfamilie.

                                                                           

                                      

Am Vormittag des 8. Januar 1968 verstarb Römers Vater, der von der Familie getrennt lebende Buchbinder Josef Römer; am Nachmittag desselben Tages verstarb seine Großmutter Hermine Suttner, die Mutter des Wiener SPÖ Wohnungsbaustadtrates und österreichischen SPÖ Landtag und Bundesrat Vorsitzenden Reinhold Suttner. Seitdem kellnerierte der junge Römer im Breitenfurter Gasthaus seines Großvaters. Dieser ermöglichte ihm einen zwölfjährigen Violinunterricht und den Besuch des nahegelegenen Jesuitenkollegiums Kalksburg. In ständiger Sorge um die kränkelnde Mutter maturierte Römer schließlich 1978.

Vor seinem Schauspielstudium studierte Römer an der Wiener Universität drei Semester Philosophie, Theaterwissenschaft und Publizistik, mit dem Ziel, Journalist zu werden. Bei  einem Vorsprechen wurde er von Dieter Giesing entdeckt und für seine Inszenierung „Frühlingserwachen" als Eleve ans Wiener Burgtheater unter der Ära Achim Benning engagiert. Es folgten Arbeiten mit Otto Schenk („Peer Gynt") , Gerhard Klingenberg und Michael Kehlmann, wo er in Hauptmanns „Die Ratten" neben Klaus-Jürgen Wussow, Paul Hoffmann und Heinz Reincke die Rolle des Schauspielschülers Dr. Kegel spielte.   In den beiden 1981 posthumen Ödön von Horvath Uraufführungen „Stunde der Liebe“ und „Mord in der Mohrengasse“ spielte Römer die Rollen des „Jungen Mannes“ und des „Sechzehnjährigen“. In einer Wiener Festwochenproduktion gastierte Römer im Theater am Auersperg in der Regie von Klaus Rott mit dem Stricher Mr. Sloane in dem damals noch als provokant geltenden Stück „Seid nett zu Mr. Sloane“ des britischen Dramatikers Joe Orton.


                                        

Nach seinem Schauspieldiplom ging Römer von 1982 bis 1986 unter der Direktion von Rainer Hauer ans Schauspielhaus Graz, wo er in Peter Lotschaks gefeierter Aufführung des Peter Shafferstückes„Amadeus"  spielte.

                                                      

                                                                                                                                                                                                              

Römer wirkte in zahlreichen Uraufführungen des „steirischen Herbste" mit, u. a. spielte er die Rolle des Revolutionärs Franco in Julio Cortazars „Nichts mehr nach Calingasta" in der Regie von Augusto Boal.  
Im "Reigen" von Schnitzler war Römer der Junge Herr.

                                  

Der Grazer Schriftsteller Herwig Kaiser schrieb Römer in einer modernen Faustparaphrase in dem Jugendstück „Susie" die Rolle des Engels Flattermann auf den Leib, der ein Mädchen vor dem Selbstmord retten soll, den Kampf jedoch gegen denTeufel während eines Tequilawetttrinkens verliert.

                                    

Die Musik dazu  komponierte das spätere S.T.S. Mitglied Gerhard Steinbäcker; die Liedtexte schrieb Thomas Spitzer, dem Gründungsmitglied der Ersten Allgemeinen Verunsicherung. „Susie"  avancierte rasch zu einem der größten Publikumserfolge der Ära Hauer.

 

1986 ging Römer unter der neuen Leitung von Eike Gramss an die Vereinigten Bühnen Krefeld-Mönchengladbach, das unter dem damaligen Schauspieldirektor, dem Peter Zadek-assistenten Raymund Richter wegen seiner als unbequem und sperrig geltenden Inszenierungen auch überregionale Beachtung fand. In der aufsehen erregenden ersten Spielzeit der neuen Ära spielte Römer unter der Regie von Hans Peter Cloos  seine erste Nacktrolle, das Strahlenopfer Itai in Harald Müllers Tschernobyl Endzeitdrama"Totenfloß". Das Stück wurde vom WDR für das Fernsehen aufgezeichnet.

                                    

Unter Raymund Richter spielte Römer anschließend in „Medea"  den Boten und damit seine zweite Nacktrolle. „An langer Kette hängend, nackt, als geweißten Höllenhund mit aus dem Munde tropfenden Blut, in steigerndem Stakkato"  (Hans Martin Frese, RP).  Nachdem Richter aber seinen radikal ästhetischen Kurs gegen Intendanz und Stadt nicht weiter durchsetzen konnte, verließ Richter das Theater. Sein Nachfolger war der ostdeutsche Max K. Hoffmann. Römer spielte unter ihm u.a. den Puck im „Sommernachtstraum"  als „Punk, Chamäleon und abgerissenen Conferencier" (Sophie Willens WZ 24.5.88). „Eine Superrolle für den katzenhaft geschmeidigen Felix Römer, ein grünhäutiges Fabelwesen mit weißgeschminktem Gesicht mit Zylinder und Conferencestock wie ein Entertainer ausstaffiert“ RP, 24.5.88). „Über allem Felix Römers Puck, ein verkommener Zauberer mit Zylinder und Kreidegesicht, als Zerstörer selbst ein Gequälter" (Heinz Ingenphas WZ, 12.3. 88.).

                                                              

Ebenfalls unter Hoffmann spielte Römer den Laertes im „Hamlet“ und den Alten in Ionescos „Die Stühle". ( „Römer führt zwischen den Stuhlreihen zu den Klängen einer Polka von Johann Strauss ein wahres Ballett auf. Er glänzt mit plötzlichen Rollensprüngen, fast gleichzeitig als ehemaliger Soldat den Oberst salutieren zu können und Sekunden später wieder Gentleman zu sein"  (RP, gar, 14.11.88) Er arbeitete aber auch mit dem späteren Mannheimer Schauspieldirektor Bruno Klimek oder mit Eike Gramss als (halbnackter) Ariel in Shakespeares „Sturm"  zusammen. Prosperos Reich war ein Labyrinth aus Seilen, auf denen Römer den Ariel tanzte. Für diese Produktion  erhielt  er eine dreimonatige Seiltänzerausbildung.

                                                          

In Krefeld begann die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Gerhard Weber, dem Uraufführungsregisseur von Römers erstem Stück "Servus, Mama". Bei ihm spielte er u.a. den  Theodor in der Schnitzlerschen „Liebelei", den Mandelstam in Sternheims "Die Hose" und die Hauptfigur, den Soldaten Leslie,  in Brendan Behans „Die Geisel".

                                                          

 

1991 ging Römer mit Gerhard Weber als Oberspieler unter der neuen Intendanz von Kurt Josef Schildknecht ans Saarländische Staatstheater Saarbrücken. Hier arbeitete er u.a. mit Markus Imoof (Rosenkranz in Shakespeares „Hamlet"). Unter Gerhard Weber spielte er den Alfred in Horvarths „G´schichten aus dem Wienerwald" , den Lanzelot Gobbo in Shakespeares „Kaufmann von Venedig" und - zum zweiten mal - den Puck im "Sommernachtsraum".

In Saarbrücken begann auch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Eberhard Köhler, der auch zwei von Römers Stücken inszenierte. ("Bibione", "Nackt"). In Köhlers Regie spielte Römer den der Vergewaltigung einer Studentin bezichtigten Professor  in David Mamet´s Zweipersonenstück "Oleanna". Aufführungsort war ein Hörsaal der Saarbrücker Uni. In der Werner Schwab Uraufführung „Endlich tot, endlich keine Luft mehr"  in der Regie von Michael Wallner spielte Römer den „schwuchteligen Bühnenbildner Rubens, der sich in den Schwabschen Wortgetümen krümmt wie in einer Kolik"  (Cathrin Elss Saarbrücker Zeitung, 26.9. 94)

                                                             

 

In seiner nächsten Station am Staatstheater Kassel unter der Intendanz von Michael Leinert arbeitete Römer u.a. mit Elias Perrig (Shlink in Brechts „Dickicht der Städte"), Christian Pade (Melchior in Wedekinds „Frühlings Erwachen"), Markus Dietz (Dan in Marbers „Hautnah",)Dagrun Hintze in der Jutta Schubert Uraufführung "Eden"  und Adelheid Müther in der Tom Stoppard Uraufführung „Invention of Love"; unter Müther spielte er auch den manisch depressiven und an Aids erkranken Ulf in Lars Norens Uraufführung von „Eine Art Hades".

                                                       

In Reinhard Göbers "Antigone" Interpretation frischte Römer seine Altgriechisch-Kenntnisse wieder auf und spielte den Teiresisas zum Teil in Sophokles´ Originalsprache.

In seiner Funktion als Ensemblesprecher düpierte Römer den designierten Intendanten Christoph Nix („eher Typus sentimentaler Herrscher") bei seiner Anhörung - auch in Anwesenheit von Armin Petras - indem er „mit tränenerstickter Stimme gestrichelte Zeichnungen von einer Urne mit seinem Vater drin, der kranken Mutter, zwei kleinen Kindern aus der Tasche zog und Schnupftücher im Raum verteilte“, um in „einer sarkastischen Schmierenkomödie" Nix die Lügen seiner Absichtserklärungen vorzuführen, „Sorgfalt bei allen Entscheidungen" zu treffen. Ein paar Tage später erhielten 26 von 27 Schauspielern die Nichverlängerung ihrer Verträge. Der vollständige Bericht von Römers  Anhörungs-Coup ist nachzulesen in dem nach einem Interview mit Doja Hacker verfaßten "Spiegel"bericht (45/98).( DER SPIEGEL 45/1998 - Bastards Heimkehr. www.spiegel.de  2. Nov. 1998 – Von Hacker, Doja. Der nach Kassel berufene Intendant Christoph Nix will das bestehende ....DER SPIEGEL 45/1998.)

Nach seinem Kasseler Rausschmiß zog Römer nach Köln, arbeitete von hier aus als freier Schauspieler 1999 zum ersten Mal mit Volker Lösch in einer Produktion des FFT in Düsseldorf mit dem Titel ARBEITMACHTREICH

                                                                           

 

Im selben Jahr wurde Römer während der neuen Intendanz von Michael Gruner als ständiger Gast ans Schauspiel Dortmund engagiert. Unter Gruner spielte Römer den König Basilius in Calderons „Leben ein Traum" . Sein Sohn Sigismund wurde von Augusts Diehl verkörpert.  Unter Hermann Schmidt-Rahmer spielte Römer den Caliban in Shakespeares „Sturm". Seinen größten Erfolg als Schauspieler in Dortmund feierte Römer als Christian in der Uraufführung nach dem Film von Thomas Vinterberg „Das Fest". Mit dieser Aufführung gastierte er auch am Düsseldorfer Schauspielhaus. Für die Inszenierung erhielt der Regisseur Burkhard Kosminski beim 20. NRW Theatertreffen in Bielefeld 2001 den Preis für die beste Regie. Mit Kosminski arbeitete Römer ab Mai  2002 als Gast an der Berliner Schaubühne. Römer spielte den Lamorak in Tankred Dorst´s "Merlin oder das wüste Land". Das Stück hatte im September 2002 Premiere.