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SERVUS, MAMA  UA 1990  Vereinigte Bühnen Krefeld- Mönchengladbach. Regie: Gerhard Weber

BIBIONE  UA 1993 Staatstheater Saarbrücken. Regie: Eberhard Köhler

NACKT UA 2000 am Theater Dortmund. Regie: Eberhard Köhler

ROMEXPRESS UA 2007 Theater Dortmund. Regie: Carolin Mader

GUGLHUPF UA 2008 Theater Dortmund. Regie: Matthias Frank

IM HERBST UA 2009  Effingertheater Bern. Regie: Stefan Suske

Österr. Erstaufführung - Kosmos Theater Bregenz, Jänner 2012. R: Augustin Jagg (WA - Herbst 2012)

 

 

                                                                      SERVUS, MAMA

 

                                                    

MUTTER Windel hab i net waschen dürfen, Trockenmilch hab ich essen müssen, weinen hast nicht dürfen...den Aufzugschlüssel hat er mir wegg´nommen, damit i die Stieg´n steigen muß..damit das Kind net anwächst, hat er g´sagt....er wollt ja ka Kind net hab´n...heiraten wollte er mi  a net...a freundin wollt er...eine für´s dreckwegräumen und eine für´s Bett...am Hochzeitstag is er ja davong´rennt...i fürcht mich vor der Unfreiheit, hat er g´schrien, daß ihm der Schaum aus´m Mund kommen is...

Sein erstes TheaterstückSERVUS, MAMA schrieb Römer 1990 für die Vereinigten Bühnen Krefeld Mönchengladbach unter dem Pseudonym Josef Suttner. In dem tragikomischen Mutter-Sohndrama spielte Römer beide Rollen von Mutter und Sohn.  Das Stück erntete in der Regie von Gerhard Weber großes Lob bei der Kritik und avancierte schnell zu einem Publikumshit. Im Jahresheft von Theater heute 1990 wurde Römer damit in der Rubrik Bester Nachwuchsautor von Andreas Rossmann genannt.

1992 spielte Römer sein Stück noch einmal in der Feuerwache des Saarbrücker Staatstheaters.

  "...eine Schlampe ist diese Mama, ein Geizhals, vertrascht und sentimental, naiv, kindlich und voller Lebenslust und doch im innersten zutiefst verletzt und einseim. Ein österreichischer Literaturtopos, zu Tränen rührend und gleichzeitig ein Ärgernis; die kleine Schwester von Grillparzers „Armen Spielmann“...zum Schreien komisch, aber auch zum Heulen...ein Stück Literatur auf der Bühne der Saarbrücker Feuerwache". (Saarbrücker Zeitung, 30.9.91, Christine Maack)

Römer schrieb auch eine Hörspielfassung des Stückes, die in der Regie von Augustin Jagg gemeinsam von ORF und SFB koproduziert wurde. Für eine Drehbuchfassung des gleichnamigen Stückes erhielt Römer einen Drehbuchförderpreis des Saarländischen Kultusministeriums im Rahmen des Ophülsfestivals. 

                                                        

 

  

                                                       BIBIONE

FRAU SCHWARZ Die Menschen werfen ihr schwerverdientes Geld irgendwelchen wildfremden Psychiatern in den Rachen. Arbeiten von dreißig bis vierzig ihre ersten dreißig Lebensjahre auf, von vierzig bis fünfzig die von dreißig bis vierzig und so weiter, bis der Sargedeckel auf sie fällt und sie eins dabei ganz vergessen haben - nämlich zu leben. Mein Mann sagt immer, wir leben, um zu leben.

Am Staatstheater Saarbrücken wurde 1993 Römers zweite Stück BIBIONE  im Theater Arnual, in der Regie von Eberhard Köhler mit Pierre Oser als Livemusiker uraufgeführt. Felix Römer spielte die Rolle des Herrn Schwarz.

„Italien ist auf den Hund gekommen, Touristen gibt es längst nicht mehr...das Ehepaar Weiss und Schwarz sind Badeurlauber im Zeitalter von Ozonloch und Umweltverschmutzung...ein apokalyptischer Blick nach vorn." (Saarlandwelle, 30.5.93, Birgit Karnath)

 

                                                          NACKT

In Römers Stück NACKT("ein seltenes Kunststück"; WAZ)  spielen drei Personen u.a. die Rollen von Dichter, Diva, Mutter, Marat, Dutschke, Oscarpreisträger, Herr und Frau Hades und den Zeckenforscher Jakob von Uexküll. Felix Römer spielte bei der Uraufführung den Dichter, der nach einem mißglückten Selbstmordversuch in der Badewanne in den Hades hinunter gespült wird und dort seiner Mutter begegnet.

 

                                                        ROMEXPRESS


DIE VERNÜNFTIGE: Vielleicht wär ich ja gern einfach nur ein Wochenende mit dir auf`s Land gefahren.
DER ÜBERSCHÄUMENDE: Dort gibt es auch Land. In einer halben Stunde sind wir auf dem herrlichsten Land. Da haben die Etrusker gelebt. Ich zeig dir deren Grabstätten.
DIE VERNÜNFTIGE: Vielleicht will ich die gar nicht sehn.
DER ÜBERSCHÄUMENDE: Ich kenn ein wunderbares Restaurant in der Nähe von Ostia. Das ist am Meer. Wir können mit Blick aufs Meer essen. Alles ohne Kultur. Ich muß nicht immer Programm machen. Wir sitzen einfach da und schauen aufs Meer und lassen uns treiben.

KELLNER: Was wird angenehm sein?
DER VERLASSENE: Nichts wird angenehm sein... was ist daran angenehm, wenn dir dein Herz zerrissen wird... schau dir mein Herz an... da, schau... wie es mir nur noch in Fransen herunter hängt...so ein verschissener Dreck! Alles Dreck und Scheiße! Vor den Zug werfen könnt man sich, bis man Matsch ist wie eine Kuhflade. Aber ich will den Verkehr nicht aufhalten! Blind werden sollen ihre Augen, die immer aufgeleuchtet haben wie der Blitz in stockdunkler Nacht! Und.... und ihre rosenblutigen Lippen sollen kußlos bleiben ewiglich! Ogott... ist mir schlecht. Kellner!
KELLNER: Was wird angenehm sein?
DER VERLASSENE: Dreck und Scheiße mit der Liebe! Kellner!
KELLNER: Bitte sehr?
DER VERLASSENE: Wann kommt der nächste Zug, unter dem man sich schmeißen kann?
KELLNER: Bedaure. Ich hab die Züge nicht alle im Kopf.

Das Achtpersonenstück ROMEXPRESS spielt in einem "Bahnhofslokal, in einem Nichtort, in einem Ort, der keine Identität hat, der allein durch seine Funktion bestimmt wird: Warten, daß es weiter geht. Daß der nächste Zug fährt. An diesem Ort treffen Menschen aufeinander, die ähnlich wenig Charakter haben, wie dieser Raum, austauschbar in ihren Eigenarten und Sehnsüchten. Nur ihr Ziel vereint sie: Rom" (Annette Kiehl, Westfälischer Anzeiger, 14.3. 07). Fast alle Kritiker beschäftigten sich ua. mit dem Thema des Stückes nämlich "der Beliebigkeit und Abgeschmacktheit der Liebe und Austauschbakeit der Menschen und ihrer Rollen“ (Katrin Pinetzki 11.3.2007 dpa) und damit, daß "ihre Existenz von Illusionen bestimmt wird...ein letzter manischer Tanz am Abgrund...Felix Römers Figuren belügen sich, aber besonders sich selbst. Nur so können sie ihr Leben ertragen... Römer spürt in dem Chaos der Identitäten und Gefühle der Leere und Verzweiflung nach, die sich oft in hinter demonstrativen Überschwang und hysterischer Freude verbergen...". (onruhrde 11.3. 2007), wobei  "die Premiere mit viel Jubel und Applaus im Dortmunder Theater gefeiert wurde". (Pinetzki)

 

                                                              GUGLHUPF


MÜNDEL Heut nacht hab´ ich´s genau g´spürt in mir. Ganz innerlich. Es hat sich ganz fleischig in mir ang´fühlt.
ONKEL Was hat sich schon wieder ganz fleischig in dir ang´fühlt?! Wie du dich manchmal g´schwollen ausdrückst! Wenn ich dich nicht so lieb haben tät, würd´ ich sagen, es graust einer Sau, wie du mit unserer schönen Sprach´umgehst. Genetive, Dative, Partizipialkonstruktionen, Infinitive, Konjunktive. Nie hör´ ich dergleichen von dir. Du stotterst dir, sei mir nicht bös´, manchmal einen Ast zusammen, daß es nicht mehr fesch ist.
MÜNDEL Onkel -
ONKEL Du bist jetzt in einem Alter, wo du dich nicht mehr nur auf dein natürliches Wesen verlassen kannst. Irgendwann ist auch dein Charme perdu. Dein Jugendreisepaß läuft bald ab. Werde erwachsen-
MÜNDEL Das tu ich. Ich will nicht mehr länger dein Mündel sein
ONKEL Aber wir sind eben Onkel und Mündel. Bis an unser seliges Lebensend´.  Zieh´ jetzt den Mantel aus!
MÜNDEL Ich geh fort. Deine Unterhosen kann dir jemand anders bügeln.
ONKEL Prinzeßchen!
MÜNDEL Es hat sich ausgeprinzt! Und ausgemündelt!
ONKEL Morgen gehen wir aus. Da kauf ich dir einen neuen Hut. Dann scheint wieder die Sonn´.

MÜNDEL Ich will keinen Hut mehr von dir. So viel Köpf´ kann ein Mensch gar nicht haben, daß er so viel Hüt´aufsetzen kann, als wie ich im Schrank hab.

(sie steht auf und will gehen)

ONKEL Du bleibst. Ich brauch dich hier. 
MÜNDEL Du wirst mich nicht mehr zurückhalten.
ONKEL Ich laß dich nicht als so ein unfertiges Ding ins Leben ziehen.

MÜNDEL Das Leben wird mich schon fertig machen. Da hab ich keine Angst. Das Leben hat noch alle fertig g´macht!

ONKEL Wenn du mir das antust, dann erschlag´ ich dich. Dann zertümmer´ ich dir deinen Schädel da gegen die Wand. Dann wird dir kein Hut mehr passen.
MÜNDEL Dir trau´ ich alles zu. Das hab´ ich g´sehn heute nacht. Ich will mich nicht mehr erinnern, was ich da alles g´sehn hab. In dich reing´schaut hab ich und ich hab´ mehr da drin g´sehn als ang´schissene Unterhosen und stinkende Socken. Ich hab´ deinen blinden Fleck g´sehn.
ONKEL Was hast du?



Römers Stück GUGLHUPFerzählt von dem bis heute nicht vollständig geklärten Verhältnis Hitlers zu seiner Nichte Geli Raubal, die sich am 18.September 1931 am Prinzregentenplatz mit Hitlers Dienstwaffe, einer Walther, wahrscheinlich aus unglücklicher Liebe zu dem Diktator erschossen hat. Guglhupf nennen die Wiener aber auch ihre Irrenanstalt. Das Stück sei ein "ein bitterbös´ lustiges Stück, in dessen Text Römer raffinierte Unschärfen und Ungleichzeitigkeiten webte...es wurde hervorragend am Schauspiel Dortmund uraufgeführt...Herr Hitler drangsaliert seine Nichte mit dem Bügeln der Wäsche, kritisiert ihren engen Rock und würde doch gerne mal drunter fassen...je mehr sich das Mädchen zu emanzipieren wagt, desto gefährlicher wird er...Als Hitler liefert Bernhard Bauer eine furiose Vorstellung ab, wofür es bei der Premiere Szenenapplaus gab und viel Schlußbeifall“. Der Kritiker der Ruhrnachrichten vergleicht die Wirkung des Stückes mit Walter Moers Comicfilm  "Der Bonker" und zitiert zum Thema, ob man über Hitler lachen darf, einen Satz des Publizisten Henryk Broder "Daß Hitler ein Mörder war, wissen wir, das muß nicht in jedem Abituraufsatz stehen...aber Moers zeigt wunderbar, auf was für eine erbärmliche Figur, was für einen Sesselpupseer die Deutschen hereingefallen sind. Und das ist toll",ähnlich würdeauch "Guglhupf"funktionieren und sei darum „extrem empfehlenswert" (BJ 17.11.08)

 

                                                           IM HERBST

 

MAX Heute morgen unter der Dusche habe ich mein erstes weißes Schamhaar entdeckt.

(Pause)

ROBERT Warum erzählst du mir das?

MAX Ich dachte, es hebt vielleicht deine Laune.

ROBERT Gib mir lieber eine Zigarette und erspare mir weitere Details.

(Pause)

MAX Du wolltest aufhören nach deinem Fünfzigsten.

ROBERT In meinem erbärmlichen Zustand?

MAX Übertreib bitte nicht.

(Pause)

ROBERT: Seit neuestem wachsen mir überall Haare. Es gibt keine Öffnung, wo sie nicht heraussprießen. Aus den Ohrlöchern, aus den Nasenlöchern - weitere Details erspar ich dir.

MAX Erzähl ruhig weiter. Jetzt sind wir endlich in dem Alter, wo wir uns nichts mehr vormachen müssen. Oben werden wir kahler und kahler und an allen anderen Stellen wachsen wir zu. Ich erschrecke jeden Morgen, wenn ich in den Spiegel schaue. Wie ein verwildeter Garten komme ich mir vor. Von den Rosen sieht man nichts mehr. Alles mit Unkraut überwuchtert. Aber was soll´s? Wir sind fünfzig. Weißt du eigentlich wie alt das ist?

ROBERT Also hör mal -

MAX Ich weiß, was du jetzt sagen möchtest. Max, Fünfzig ist doch kein Alter. Was haben wir nicht alles noch vor uns. Die goldenen Fünziger. Nein, Robert, mit Fünfzig ist man uralt. Siebzig geht schon wieder. Und achtzig ist beinahe eine Erleichterung. Aber Fünfzig. Ich bitte dich. Und es gibt keine Ausnahmen. Erinnere dich, als du dreißig warst; weißt du noch, wie alt dir damals ein Fünfzigjähriger vorgekommen ist. Und genau der bist du heute.


Römer bislang  letztes StückIM HERBST war eine Auftragsarbeit für die beiden Berner Publikumslieblinge, dem Wiener Schauspieler Stefan Suske und dem deutschen Sänger und Schauspieler Uwe Schönbeck. Das Stück hatte  "Im Herbst" 2009 im Berner Effingertheater Premiere und war bislang Römers erfolgreichstes Stück.
Der Literaturkritiker Charles Linsmayer schrieb in der Schweizer Tageszeitung "Der Bund", "das Stück wurde den beiden Publikumslieblingen passgenau auf den Leib geschrieben und so zu einem hinreißenden Theatervergnügen...der ebenso muntere wie hintergründige Text ist voller Pointen und witzigen, vielfach auch durchaus lebenklugen Bonmots, die fast unmerklich einen ernsten existentiellen Sinn bekommen, wobei das glänzend amüsierte Publikum bei allem herzhaftem Gelächter zugleich auch Tiefsinniges über die Welt und sich selbst erfährt...wunderbar leicht und humorvoll wird hier das Unausweichliche von Krankheit und Tod thematisiert, die Gefühle werden fast nicht mehr in Worte gefaßt, sondern sind auf den Gesichtern ablesbar und für einen Moment gelingt es Robert wirklich loszulassen“ (4.9.2009)

Das Stück IM HERBST kommt noch diese Spielzeit am Kosmos Theater Bregenz in der Regie von Augustin Jagg zur Österreichischen Erstauffühung.