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Unter dem Titel Meine liebe Wiener Freundin schrieb Römer mehrere Reiseartikel, von denen einige auf der Reiseseite der FAZ veröffentlicht wurden.

"Oh wie schön ist es auf Hiddensee"  Insel Hiddensee.  15. März  2007

Ostseeinseln: Oh wie schön ist es auf Hiddensee - www.faz.net

nirgends smaragdener als hier". Insel Sardinien. 1. Juni 2007www.faz.net

 

                                       Hiddensee(Textprobe)

 

 

 Meine liebe Wiener Freundin!

....Ich muß aufpassen, nicht allzusehr ins Schwärmen zu geraten. Denn natürlich beschreibt man, wenn man über Hiddensee schreibt, ein Paradies auf Erden. Und welcher Paradiesentdecker möchte sein Paradies schon mit anderen teilen. Ich fahre immer nach Kloster. Du kannst natürlich auch nach Vitte fahren, oder nach Neuendorf, aber ich bin ein echter Klosterianer...Du kommst an und sofort werden Deine Sorgen ins Meer gespült. Ganz heiter und leicht wirst Du hier durch Meer und Wind. Alles Gekünstelte fällt von Dir ab, die Nerven werden aber nicht eingeschläfert, sondern aufgestört....Wie ich also den Steiluferweg entlanggehe, bricht der Himmel auf, und es hat zwanzig Minuten Kaiserwetter mitten im Winter. Die hatten nämlich schon Graupel angesagt und ich habe mich drauf eingestellt, weil ich neugierig war, was die Damen und Herren Himmelsmacher so alles im Repertoire haben. Auf einmal bohren sich ein paar hartnäckige Sonnenstrahlen durch den Wolkenvorhang. Mit aller Kraft beißen sie sich hindurch, zaubern Dir mit links ein paar ordenliche Graupaletten hin, daß du aus dem Wundern nicht rauskommst. Schon bildet sich ein Lichtstreif am Horizont und in Windeseile, als hätte jemand versehentlich, anstatt den Graupelhebel, den Kaiserwetterhebel betätigt, wird´s plötzlich so gleißend hell um mich herum, daß ich mich erstmal auf eine Bank setzen mußte, von der es da oben viele gibt. Glaub´mir, liebe Freundin, da war ich wieder froh, einen Glauben zu haben. Unwillkürlich habe ich ein Kreuzzeichen geschlagen für dieses Geschenk. Hallelujah!

Weißt Du worüber ich immer wieder staunen muß? Über die Farben der Heide im Winter. Im Frühling und Sommer halten ja alle die Luft an, wenn sie die Sanddornbüsche sehen. Aber du mußt dieses satte Orange der Sanddornbeeren jetzt erleben. Wie Lichterinseln wirken die Büsche in der Landschaft. Auch an den tiefroten Hagebutten hättest Du Deine Freude. Die leuchten, wie manche Menschen, aus sich heraus. Und das Wintergras ist nicht etwa stumpf, nein, auch das Grün breitet sich noch einmal in all seinen Nuancen vor Dir aus. Vom dunklen Moosgrün bis hin zu den hellsten, beinahe in van Goghschen Farben brennend gelb wirkenden Dünengräser. Wie geht das alles ohne Sonne?...Meine Liebe, ich habe so eine gute Laune im Leib, immer ist mir nach Blödsinn zumute. Beim Gehen singe ich immerzu. Ich wache auf und bin sofort  in einer Art Ringelnatzlaune, könnte ständig hüpfen, springen und alberne Verse schmieden. Wann hatte ich das zuletzt? Auch wenn man hier gut alleine sein kann, Du fehlst mir. Was könnten wir für anregende Gespräche führen. Meinetwegen auch über Mode. Da die Natur so viele bunte Vorschläge macht, habe ich nämlich beschlossen, meine ewig dunklen Klamotten einzutauschen. Gleich morgen lege ich mir einen sanddornfarbenen Pullover zu, eine hagebuttenfarbene Hose, und warum nicht auch eine moosgrüne Mütze?

 

                                          Sardinien(Textprobe)


Meine Liebe Wiener Freundin!

Wenn Du wüßtest, wie schön es auf Sardinien ist – nicht nur im Sommer. Vor allem jetzt, wenn die Zitronen blühen! Und schon wieder ohne Dich. Wochenlang habe ich diese Insel von meinem Sofa aus bereist, mit Landkarte und einem alten Baedeker aus dem Jahre 1926, wie ich das so gerne mache, wenn man vor lauter Trübsinn den Berliner Winter nicht mehr aushält. Ich hatte schon wieder so eine Sehnsucht nach dem Meer und stellte mir all die schönen Strände vor, wo sich im Sommer die Schönen und Reichen tummeln, und habe mir im Geiste schon manchen Wildschweinbraten auf der Zunge zergehen lassen, um ihn mit einem kräftigen Schluck vom roten Cannonau hinunterzuspülen....

Meine Liebe, schon lange nicht mehr hat mich meine Phantasie so kläglich im Stich gelassen. Es war nämlich alles noch viel schöner. Eine Stunde nach meiner Ankunft war ich auch schon im Wasser, in dem noch kühlen, aber herrlich erfrischenden. Und natürlich gleich an der Costa Smeralda, denn ich wollte wissen, ob diese Küste auch ihren Namen verdient. Glaub mir, sie heißt zurecht so und smaragdener ist das Wasser nirgendwo. Ich bin einen schmalen Schotterweg entlanggefahren, Richtung Cala Liscia (das darfst du jetzt wirklich niemanden weitersagen!), von dem Du an die schönsten Strände hinabspazieren kannst. Wäre vor ein paar Wochen ein Strandmacher zu mir nach Hause gekommen, um mich nach meinem Idealstrand zu fragen, ich hätte ihn so beschrieben, wie ich ihn hier vorgefunden habe. Kleine, leicht oval geschwungene Buchten mit einem feinkörnigen, in zartrötlichen Farben leuchtenden Sand. Herrlich knorrige, vom Wind gekrümmte Pinien schützen Dich gegen die Sonne und zwischen Ginster, Wacholder und kleinen Lorbeerbäumen kannst Du dein Mittagsschläfchen halten. Und wo im Sommer sicher nicht nur die Sarden wie die Sardinen liegen, ist jetzt niemand. Ich kam mir schon wie Robinson Felix Caruso vor, als ich meiner Kleider entledigt, ein Nacktbad genoss und dann zum Trocknen im Sand immer auf und ablief, und vor lauter Glück einfach immer singen mußte. Basta cosi.

Habe ich Dir schon erzählt, daß ich mich in Cagliari verliebt habe. Glaub´mir, hier war ich nicht zum letztenmal. Stell Dir Neapel vor, nur kleiner, steiler und ohne Camorra, und nicht wie Rom auf sieben, sondern auf zehn Hügeln. Was für eine Landschaft! Auf der einen Seite die endlosen Salzlagunen, auf der anderen drachenschuppige Hügel, die ganz nah ans Meer rücken. Ich weiß auch schon, wenn du das nächste Mal mitkommst, was ich mehr als alles hoffe, wo wir nächtigen werden. Im „Aurora“, einem liebevoll renovierten Palazzo, wo wir gut und günstig schlafen können und Du Dich nur zwischen den Zimmern mit freigelegtem alten Mauerwerk in Form von Halb- oder Vollmond entscheiden mußt. Leider war das Vollmondzimmer schon besetzt, dafür habe ich im Halbmondzimmer einen schmalen Balkon mit gußeisernem Gitter, und alles luftig und zur Piazza hinaus. Gegenüber liegt die Markthalle. Da muß ich Dir am Morgen den Pferdefleischhauer zeigen. Wie der die Filets runterschneidet! So dünn und zart, von einem Pferdeoberschenkel, dessen Größe mich zum Staunen brachte. Und kein Gramm Fett dran. Was soll ich Dir sagen, am selben Tag zur Mittagszeit - nach der Besichtigung von Kathedrale und Torre dell´ Elefante (keine Details, ich bin kein Baedeker), bin ich hungrig wie ein Wolf in mein Bistro gegangen. Ausgerechnet heute gab´sals Tagesgericht – richtig geraten – cavallo. Also habe ich auf Zuraten des Vertrauen erweckenden Kellners ein Pferdesteak bestellt. Meine Liebe, denk nicht schlecht von mir. Zum erstenmal in meinem Leben habe ich so ein Pferdesteak gegessen. Aber ich habe nicht vor Lust gewiehert. Das Pferd schmeckte nämlich wie ein Rind. Ein zähes aber. Die nächsten Tage habe ich wieder Nudeln gegessen.

...fahren wir morgen nach Nuoro? Schauen uns das Geburtshaus von Grazia Deledda an, oder willst Du lieber mit mir auf einer Nuraghenfestung herumkraxeln, von denen es unzählige auf der Insel gibt? Wir können auch hinunter zur Costa rei und dort ein Bad nehmen. Meine Liebe, bis Ende Mai gehört die Insel uns beinahe allein. Also komm! Ich will nicht mehr wie die Italiener sagen, Sono io, also ich bin ich. Nein, ich möchte alle Sarden sagen hören, Una bella coppia, was für ein schönes Paar...